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Kostenlose Beratung beim Anwalt: Optionen & Tipps für 2026

2025-12-24 von Bürgergeld-Hilfe Redaktion
Kostenlose Beratung beim Anwalt: Optionen & Tipps für 2026

Kostenlose Beratung beim Anwalt: Optionen & Tipps für 2026

Rechtliche Probleme können jeden treffen – doch was tun, wenn das Geld für einen Anwalt fehlt? Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es mehrere Möglichkeiten, kostenlose oder sehr günstige Rechtsberatung zu erhalten. Von der staatlichen Beratungshilfe über Law Clinics bis hin zu gemeinnützigen Organisationen bieten verschiedene Anlaufstellen Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen alle Optionen im Überblick.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beratungshilfe: Staatliche Unterstützung für nur 15 € Eigenanteil
  • Prozesskostenhilfe: Kostenlose Vertretung vor Gericht
  • Law Clinics: Kostenlose Beratung durch Jura-Studierende unter Anwaltsaufsicht
  • Öffentliche Rechtsberatung: In Hamburg und Bremen statt Beratungshilfe
  • Sozialverbände: Caritas, Diakonie und andere bieten kostenlose Beratung

Was ist Beratungshilfe?

Die Beratungshilfe ist ein staatliches Programm, das Menschen mit geringem Einkommen Zugang zu anwaltlicher Beratung ermöglicht. Sie deckt die Kosten für eine außergerichtliche Rechtsberatung und kostet Sie maximal 15 Euro.

So funktioniert die Beratungshilfe

AspektDetails
Was wird abgedeckt?Außergerichtliche Beratung und Vertretung
Kosten für SieMax. 15 € Eigenanteil (kann erlassen werden)
Wer zahlt den Rest?Die Staatskasse
Wo beantragen?Amtsgericht Ihres Wohnortes
Gültig fürEine konkrete Rechtsangelegenheit

Welche Rechtsgebiete sind abgedeckt?

Die Beratungshilfe gilt für fast alle Rechtsgebiete:

  • Sozialrecht (Bürgergeld, Renten, Krankenkasse)
  • Arbeitsrecht (Kündigungen, Abmahnungen)
  • Mietrecht (Mieterhöhung, Kündigung)
  • Familienrecht (Unterhalt, Sorgerecht)
  • Verwaltungsrecht (Bescheide, Genehmigungen)
  • Zivilrecht (Verträge, Schadensersatz)

Wichtig: Für Strafrecht gibt es eigene Regelungen (Pflichtverteidiger). Und für bereits laufende Gerichtsverfahren benötigen Sie stattdessen Prozesskostenhilfe.

Voraussetzungen für den Beratungshilfeschein

Um Beratungshilfe zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Finanzielle Bedürftigkeit

Sie müssen nachweisen, dass Sie die Kosten für einen Anwalt nicht selbst tragen können. Die Einkommens- und Vermögensgrenzen werden jährlich angepasst:

Freibeträge 2025/2026 (Richtwerte):

FreibetragBetrag
Grundfreibetrag (Antragsteller)ca. 619 €
Erwerbstätigenfreibetragca. 282 €
Freibetrag für Partnerca. 619 €
Freibetrag pro Kind350-500 € (altersabhängig)

Als Bürgergeld-Empfänger erfüllen Sie die finanzielle Voraussetzung in der Regel automatisch.

2. Keine andere zumutbare Möglichkeit

Sie dürfen keinen anderweitigen Zugang zu kostenloser Rechtsberatung haben:

  • Keine Rechtsschutzversicherung für das betreffende Rechtsgebiet
  • Keine Gewerkschaftsmitgliedschaft mit Rechtsschutz (bei Arbeitsrecht)
  • Kein Anspruch auf Prozesskostenhilfe (nur bei Gerichtsverfahren)

3. Die Angelegenheit darf nicht mutwillig sein

Die Rechtsverfolgung muss einen Sinn haben – rein schikanöse oder aussichtslose Angelegenheiten werden nicht gefördert.

Wie beantrage ich einen Beratungshilfeschein?

Es gibt zwei Wege zur Beratungshilfe:

Weg 1: Berechtigungsschein vom Amtsgericht

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Amtsgericht aufsuchen: Gehen Sie zur Rechtsantragsstelle des Amtsgerichts Ihres Wohnortes
  2. Antrag stellen: Füllen Sie das Formular “Antrag auf Beratungshilfe” aus
  3. Unterlagen vorlegen:
    • Personalausweis oder Reisepass
    • Aktueller Bürgergeld-Bescheid oder Einkommensnachweise
    • Mietvertrag und Kontoauszüge (falls verlangt)
    • Dokumente zu Ihrer Rechtsangelegenheit
  4. Schein erhalten: Bei Genehmigung erhalten Sie einen Berechtigungsschein
  5. Anwalt aufsuchen: Legen Sie den Schein einem Anwalt Ihrer Wahl vor

Vorteile:

  • Sicherheit, dass Beratungshilfe gewährt wird
  • Kostenlos beim Amtsgericht

Nachteile:

  • Erfordert Besuch beim Amtsgericht
  • Möglicherweise Wartezeiten

Weg 2: Direkt zum Anwalt gehen

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Anwalt kontaktieren: Wählen Sie einen Anwalt, der Beratungshilfe akzeptiert
  2. Unterlagen mitbringen: Gleiche Dokumente wie beim Amtsgericht
  3. Anwalt beantragt nachträglich: Der Anwalt stellt selbst den Antrag beim Amtsgericht
  4. Eigenanteil zahlen: 15 € (falls vom Anwalt erhoben)

Vorteile:

  • Schneller, da Sie direkt beraten werden
  • Nur ein Termin nötig

Nachteile:

  • Risiko der Ablehnung (dann müssen Sie die volle Beratungsgebühr zahlen)
  • Nicht alle Anwälte akzeptieren nachträgliche Beantragung

Tipp: Fragen Sie vorab telefonisch, ob der Anwalt Beratungshilfe akzeptiert und die nachträgliche Beantragung übernimmt.

Der 15-Euro-Eigenanteil: Was Sie wissen müssen

Bei der Beratungshilfe fällt ein Eigenanteil von maximal 15 Euro an. Wichtig zu wissen:

  • Der Anwalt kann auf den Eigenanteil verzichten (freiwillig)
  • Fragen Sie vorher, ob der Eigenanteil erhoben wird
  • Bei sehr geringem Einkommen verzichten viele Anwälte darauf
  • Der Eigenanteil gilt pro Rechtsangelegenheit

Prozesskostenhilfe: Für Gerichtsverfahren

Wenn ein Gerichtsverfahren notwendig wird, benötigen Sie statt Beratungshilfe die Prozesskostenhilfe (PKH). Diese deckt:

  • Anwaltskosten für das Verfahren
  • Gerichtskosten
  • Kosten für Gutachten und Sachverständige

Voraussetzungen für Prozesskostenhilfe

VoraussetzungDetails
Finanzielle BedürftigkeitEinkommen und Vermögen unter den Freibeträgen
ErfolgsaussichtDie Klage muss hinreichende Aussicht auf Erfolg haben
Keine MutwilligkeitDie Rechtsverfolgung darf nicht schikanös sein

PKH-Antrag stellen

  1. Antrag beim zuständigen Gericht: Zusammen mit der Klageschrift oder separat
  2. Formular ausfüllen: “Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse”
  3. Belege beifügen: Einkommensnachweise, Bescheide, Kontoauszüge
  4. Anwalt angeben: Welcher Anwalt Sie vertreten soll

Besonderheit: Sozialgerichte sind kostenfrei

Vor dem Sozialgericht (z.B. bei Bürgergeld-Klagen) fallen für Kläger keine Gerichtskosten an – unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Sie benötigen PKH nur für die Anwaltskosten.

Weitere Optionen für kostenlose Rechtsberatung

Neben Beratungshilfe und PKH gibt es weitere Möglichkeiten:

Law Clinics: Rechtsberatung durch Jura-Studierende

Law Clinics sind studentische Rechtsberatungsstellen an Universitäten. Dort beraten Jura-Studierende unter Aufsicht erfahrener Anwälte – kostenlos.

Vorteile:

  • Komplett kostenlos (kein Eigenanteil)
  • Oft spezialisiert auf bestimmte Rechtsgebiete
  • Engagierte Beratung

Einschränkungen:

  • Nicht in allen Städten verfügbar
  • Wartezeiten möglich
  • Keine Vertretung vor Gericht

Bekannte Law Clinics:

  • Refugee Law Clinics (Asylrecht)
  • Sozialrecht-Clinics an verschiedenen Universitäten
  • Mietrecht-Clinics

Ab 2026: Die Bucerius Law School in Hamburg plant, alle Jurastudierenden zu verpflichtenden Beratungseinsätzen in Law Clinics einzusetzen.

Öffentliche Rechtsberatung (Hamburg und Bremen)

In Hamburg und Bremen gibt es statt der Beratungshilfe eine öffentliche Rechtsberatung. Diese wird direkt vom Staat organisiert und bietet:

  • Beratung durch angestellte Juristen
  • Sehr geringe Kosten (oft kostenlos)
  • Keine Antragstellung beim Amtsgericht nötig

Kontakt:

  • Hamburg: Öffentliche Rechtsauskunft und Vergleichsstelle (ÖRA)
  • Bremen: Öffentliche Rechtsberatungsstellen

Gemeinnützige Organisationen

Zahlreiche Organisationen bieten kostenlose oder sehr günstige Rechtsberatung:

OrganisationRechtsgebieteKosten
CaritasSozialrecht, SchuldnerberatungKostenlos
DiakonieSozialrecht, MigrationsrechtKostenlos
ArbeitslosenzentrenBürgergeld, ArbeitsrechtKostenlos
VerbraucherzentraleVertragsrecht, VerbraucherrechtGeringe Gebühr
MietervereineMietrechtMitgliedsbeitrag
GewerkschaftenArbeitsrechtFür Mitglieder

Rechtsschutzversicherung

Falls Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, prüfen Sie, ob Ihr Fall abgedeckt ist:

  • Arbeitsrechtsschutz
  • Mietrechtsschutz
  • Verkehrsrechtsschutz
  • Privatrechtsschutz

Hinweis: Sozialrechtliche Streitigkeiten (wie Bürgergeld) sind in vielen Standard-Policen nicht enthalten. Prüfen Sie Ihre Versicherungsbedingungen.

Pflichtverteidiger: Kostenloser Anwalt im Strafverfahren

Im Strafrecht gelten besondere Regeln. In bestimmten Fällen haben Sie Anspruch auf einen Pflichtverteidiger, der Ihnen kostenlos zur Seite steht:

Wann gibt es einen Pflichtverteidiger?

SituationPflichtverteidiger?
Schwere Straftat (Verbrechen)✅ Ja
Untersuchungshaft✅ Ja
Komplexe Rechtslage✅ Ja, auf Antrag
Beschuldigter kann sich nicht selbst verteidigen✅ Ja
Einfache Ordnungswidrigkeit❌ Nein

Wie bekomme ich einen Pflichtverteidiger?

  1. Das Gericht ordnet einen Pflichtverteidiger von Amts wegen an
  2. Sie können einen bestimmten Anwalt vorschlagen
  3. Wird kein Wunsch geäußert, wählt das Gericht einen Anwalt aus

Wichtig: Die Kosten für den Pflichtverteidiger werden zunächst vom Staat übernommen. Bei einer Verurteilung können sie jedoch zurückgefordert werden.

Praktische Tipps für kostenlose Rechtsberatung

1. Frühzeitig handeln

Je früher Sie sich beraten lassen, desto mehr Handlungsoptionen haben Sie:

  • Fristen beachten: Widerspruchsfristen (1 Monat) nicht verpassen
  • Dokumente sichern: Alle Bescheide und Schriftstücke aufbewahren
  • Kommunikation dokumentieren: Gespräche notieren, schriftlich kommunizieren

2. Unterlagen vorbereiten

Für jeden Beratungstermin sollten Sie mitbringen:

  • Personalausweis
  • Bürgergeld-Bescheid oder Einkommensnachweise
  • Alle relevanten Dokumente zu Ihrem Fall
  • Chronologische Übersicht des Sachverhalts
  • Notizen zu Ihren Fragen

3. Die richtige Anlaufstelle wählen

Ihr ProblemBeste Anlaufstelle
Bürgergeld/JobcenterSozialberatungsstelle, Fachanwalt Sozialrecht
Kündigung ArbeitGewerkschaft, Fachanwalt Arbeitsrecht
MieterhöhungMieterverein, Fachanwalt Mietrecht
SchuldenSchuldnerberatung (Caritas, Diakonie)
VertragsstreitVerbraucherzentrale

4. Online-Tools nutzen

Viele Bundesländer bieten Online-Services:

  • PKH-Rechner: Prüft Anspruch auf Prozesskostenhilfe
  • Beratungshilfe-Check: Vorab-Prüfung der Berechtigung
  • Formulare zum Download: Anträge vorab ausfüllen

Kosten im Überblick: Mit und ohne staatliche Hilfe

LeistungReguläre KostenMit staatlicher Hilfe
Erstberatung Anwalt50-250 €0-15 € (Beratungshilfe)
Widerspruchsverfahren300-800 €0-15 € (Beratungshilfe)
Klageverfahren500-2.000 €0 € (PKH)
Gerichtskosten Sozialgericht0 €0 €
Law Clinic Beratung-0 €
Sozialberatungsstelle-0 €

Häufige Fragen

Was ist ein Beratungshilfeschein und wie bekomme ich ihn?

Der Beratungshilfeschein ist ein Dokument, das Ihnen kostengünstige anwaltliche Beratung ermöglicht. Sie erhalten ihn beim Amtsgericht Ihres Wohnortes. Bringen Sie Ihren Personalausweis, Einkommensnachweise (z.B. Bürgergeld-Bescheid) und Dokumente zu Ihrem Rechtsfall mit. Alternativ können Sie auch direkt zum Anwalt gehen, der die Beratungshilfe nachträglich beantragt.

Wie viel kostet die Beratungshilfe?

Bei der Beratungshilfe zahlen Sie maximal 15 Euro Eigenanteil. Diesen Betrag erhält der Anwalt; die restlichen Kosten übernimmt die Staatskasse. Viele Anwälte verzichten bei Bürgergeld-Empfängern auf den Eigenanteil – fragen Sie vorher nach.

Wann steht mir ein kostenloser Anwalt zu?

Ein komplett kostenloser Anwalt steht Ihnen in folgenden Fällen zu: Bei Beratungshilfe (15 € Eigenanteil), bei Prozesskostenhilfe für Gerichtsverfahren, als Pflichtverteidiger im Strafverfahren bei schweren Delikten, oder durch kostenlose Angebote von Law Clinics und gemeinnützigen Organisationen.

Was ist der Unterschied zwischen Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe?

Beratungshilfe gilt für außergerichtliche Angelegenheiten – also Beratung, Widersprüche und Verhandlungen ohne Gericht. Prozesskostenhilfe hingegen deckt die Kosten für Gerichtsverfahren ab. Für ein vollständiges Verfahren benötigen Sie möglicherweise beide: Erst Beratungshilfe für den Widerspruch, dann PKH für die Klage.

Gibt es in allen Bundesländern Beratungshilfe?

In den meisten Bundesländern gibt es die klassische Beratungshilfe über das Amtsgericht. Ausnahmen sind Hamburg und Bremen: Dort gibt es stattdessen eine “öffentliche Rechtsberatung”, die direkt vom Staat organisiert wird. Die Leistungen sind vergleichbar, nur die Anlaufstellen unterscheiden sich.

Kann ich mir den Anwalt bei Beratungshilfe selbst aussuchen?

Ja, Sie können jeden Anwalt wählen, der Beratungshilfe akzeptiert. Nicht alle Anwälte nehmen Beratungshilfemandate an – fragen Sie daher vorher telefonisch nach. Mit dem Berechtigungsschein vom Amtsgericht haben Sie freie Anwaltswahl.

Fazit

Rechtliche Unterstützung muss nicht teuer sein. Mit Beratungshilfe (max. 15 €) und Prozesskostenhilfe können Sie auch mit geringem Einkommen einen Anwalt beauftragen. Zusätzlich bieten Law Clinics, Sozialberatungsstellen und gemeinnützige Organisationen kostenlose Hilfe an. Nutzen Sie diese Angebote, um Ihre Rechte durchzusetzen – Sie verdienen es, gehört zu werden.

Weiterführende Informationen

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Quellen

Die Informationen basieren auf folgenden offiziellen Quellen:

Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr. Die Freibeträge können sich jährlich ändern. Stand: Dezember 2025


Rechtlicher Hinweis: Die Informationen in diesem Ratgeber ersetzen keine professionelle Rechtsberatung. Nutzen Sie die beschriebenen Angebote, um Ihre individuelle Situation von einem Fachkundigen prüfen zu lassen.